Roller online bringen
Eine SIM-Karte schaltet Fernzugriff, Online-Karten und Over-the-Air-Updates frei. Für die Fernfunktionen muss zusätzlich die Uplink-/Cloud-Anbindung eingerichtet sein. Der komplette Weg: Hardware, Modem-Konfiguration, OTA-Einstellungen.
Optional, nicht zwingend
Librescoot läuft auch komplett ohne SIM. Was offline geht, steht in Funktioniert komplett offline. Alles unten dreht sich darum, Mobilfunk obendrauf zu legen.
1. SIM-Karte einbauen
Das 4G-Modem auf dem MDB braucht eine Mini-SIM (2FF) in einem aufgelöteten SIM-Halter. Beim unu Scooter Pro ab Werk ist der Halter meist nicht bestückt – auf den meisten Rollern ist das also Lötarbeit.
- Footwell öffnen, alle Akkus abklemmen (CBB und AUX) und das MDB ausbauen. Die komplette Prozedur steht in der Installationsanleitung.
- MDB-Gehäuse öffnen (Torx T10) und das SIM-Halter-Footprint neben dem SIM7100E-Modem suchen.
- Einen Mini-SIM-Halter auf die Pads löten. Jeder Standard-6-Pin-Halter (Push-Push oder Klapp) für 2FF-Karten passt.
- SIM einlegen, Gehäuse zu, MDB wieder einbauen, Akkus in umgekehrter Reihenfolge anschließen (erst AUX, dann CB, dann Hauptakkus).
Eine Daten- oder M2M-SIM reicht für alles, was der Roller von sich aus macht. Seit 1.2 kann er zusätzlich SMS senden und empfangen, dafür braucht es einen Tarif mit SMS. Formfaktor ist Mini-SIM (2FF); Micro- oder Nano-SIM nur im Notfall zurechtschneiden.
Vor dem Öffnen des MDB alle Akkus abklemmen
Gleiche Reihenfolge wie bei der Installation: Hauptakkus raus, CB ab, dann AUX ab. Beim Zusammenbau in umgekehrter Reihenfolge.
2. APN setzen
Das Modem braucht den APN deines Providers. Per SSH auf den Roller, dann mit lsc setzen:
lsc set cellular.apn internet
Statt internet den APN deines Providers eintragen. In Deutschland gängig:
internet– Telefónica o2 (alle aktuellen Tarife), Telekom (inkl. Congstar-Laufzeitvertrag)internet.telekom– Congstar-Prepaidweb.vodafone.de– Vodafone (inkl. CallYa-Prepaid)
Steht meist in der Onboarding-Mail oder auf der Provider-Website.
APN-Authentifizierung (Congstar-Prepaid, einige MVNOs)
Die meisten deutschen Provider brauchen keine APN-Authentifizierung. Ein paar schon – z. B. Congstar-Prepaid mit Benutzername congstar / Passwort cs und PAP:
lsc set \ cellular.apn internet.telekom \ cellular.username congstar \ cellular.password cs \ cellular.auth pap
cellular.auth akzeptiert none (Default), pap oder chap. Falls unbekannt: pap zuerst probieren – das ist mit Abstand am häufigsten.
Wie die Änderung greift
modem-service beobachtet diese Settings und schreibt sie sowohl ins NetworkManager-GSM-Profil (Datenverbindung) als auch in den im Modem hinterlegten LTE-Attach-Kontext (cid=1). Nach einem erfolgreichen Schreibvorgang meldet sich das Modem kurz vom Netz ab und wieder an, damit der neue APN sofort wirksam wird statt erst beim nächsten Neustart. Der ganze Vorgang ist meist in unter 30 Sekunden durch; mitlesen lässt er sich mit:
redis-cli HGET modem apn-action
Mögliche Werte: applied (frisch geschrieben), ok (war schon korrekt), iccid-changed-cleared (SIM-Wechsel erkannt, siehe unten) oder error.
SIM-Wechsel
Wird die SIM bei laufendem Roller getauscht, merkt modem-service die geänderte ICCID und löscht die APN-Settings sowohl im NetworkManager als auch im Modem. Das verhindert, dass ein alter Provider-APN auf die neue SIM angewendet wird. Nach einem Wechsel cellular.apn (und ggf. die Zugangsdaten) für die neue SIM neu setzen – die lsc set-Kommandos oben sind der Auslöser, der die Reconciliation wieder scharfschaltet.
3. SIM-PIN setzen (falls nötig)
Hat die SIM eine PIN-Sperre, die PIN hinterlegen, damit das Modem die Karte beim Boot entsperren kann:
lsc set cellular.sim-pin 1234
Schritt überspringen, wenn deine SIM keine PIN-Sperre hat. Ein leerer Wert lässt die SIM, wie sie ist. Die PIN landet im lokalen Redis-Settings-Hash und verlässt den Roller nicht.
Modem-Status prüfen mit:
lsc status
4. OTA-Updates konfigurieren
Sobald der Roller online ist, stellst du die Updates am Display ein, unter Menü → Einstellungen → System → Updates: Prüfintervall, Update-Art (Delta oder Full – Delta ist der Default und bei einem Volumentarif die richtige Wahl) und Release-Kanal (stable, testing, nightly). Der Eintrag Jetzt prüfen sucht sofort nach Updates.
Einmal eingerichtet laufen die Updates automatisch im Hintergrund, sobald eine Verbindung besteht.
Das komplette Verhalten – Release-Kanäle, was während eines Updates zu sehen ist, und was bei einem Fehlschlag zu tun ist – beschreibt die Updates-Seite im Handbook.
5. Funktioniert's?
Am Display erledigt Jetzt prüfen unter Menü → Einstellungen → System → Updates den Check direkt am Roller. Aus der Shell prüfst du Modem- und OTA-Status mit:
lsc status # Mobilfunk-Registrierung, Signal, IP lsc ota status # aktuelle OTA-Konfiguration und letzter Check lsc ota check # jetzt nach Updates suchen
Wenn lsc ota check den aktuellen Channel und einen Last-Check-Zeitstempel meldet, redet der Roller mit dem Release-Server.
Cloud-Uplink (optional)
OTA-Updates funktionieren, sobald der Roller Internet hat – Cloud-Account ist nicht nötig. Wer Status, Position und Akkustand zusätzlich vom Handy oder Browser sehen will, meldet den Roller bei einer Cloud an:
- Sunshine Cloud – der Community-Uplink. Privat kostenlos.
- Selbst hosten mit uplink-server.